Partnerschaftsgottesdienst an Rogate

Rogate

Den ganzen Gottesdienst als Audiodatei können sie hier anhören oder am Ende des Artikels herunterladen.

Jesus spricht:
Bittet, und es wird euch gegeben;
sucht, und ihr werdet finden;
klopft an, und es wird euch geöffnet.

Denn jeder, der bittet, empfängt, und wer sucht, findet,
und wer anklopft, dem wird geöffnet.

Der Vater im Himmel wird denen
den Heiligen Geist geben, die ihn darum bitten.

Aus Lukas 11

 

Liebe Schwestern und Brüder,

seit 42 Jahren wird die Partnerschaft zwischen unsrer Gemeinde und Karatu in Tanzania gepflegt. Eine feste Tradition, vieles hat sich eingespielt: der Karatumarkt am 1. Advent, der große Event und die Kokosnuss, der Gebrauchtwarenladen, dann die regelmäßigen Besuche hin und her – mit Erwachsenen und auf der Jugendebene. Das ist lebendige Partnerschaft.

Und heute der Karatutag am Sonntag Rogate, Betet!

Unsere Partner bitten uns um finanzielle Unterstützung – und die 6bekommen sie auch. Ich bin immer wieder erstaunt, wieviele Spenden zusammenkommen, welche Summen der Karatuladen erbringt und was am 1. Advent eingenommen wird. Das ist gut und das ist sehr wichtig.

Es erinnert uns daran, wie gut es uns geht.
Dass wir aus der Fülle, in der wir leben, gut abgeben können – und dass es für uns schön ist, zusammen-zukommen, Karatusachen und Selbstgemachtes zu kaufen und die Arbeit in Karatu zu unterstützen.

Aber das ist nicht alles. Das allein wäre zu wenig.

Auf lange Sicht könnte es dazu führen, dass wir uns besser fühlen als die armen Menschen in Afrika. Wir haben Geld und Know How, wir sind reich.

Vielleicht fühlen Sie sich nicht reich, aber wir in Deutschland gehören zu den 5 oder 10% der reichsten Menschen der Welt. Wir haben sauberes Wasser, gutes Essen und Kleidung, Wohnungen, medizinische Versorgung, Ausbildung, Abfallentsorgung und vieles mehr. Dinge, die in den meisten Gegenden der Welt alles andere als selbstverständlich sind. Es möge uns ein bisschen dankbarer und demütiger machen, daran zu denken.
Denn es ist nicht unser Verdienst, dass wir hier geboren sind, dass uns unsere Eltern und unser Land uns mit allem versorgt haben.

Das wäre zu wenig, wenn sich unsere Partnerschaft mit Karatu in den Spenden erschöpfen würde, in Geld und ein paar medizinischen Geräten.

Genauso wichtig ist es, dass wir uns verbunden wissen als Geschwister im Glauben.

Sie kennen das ja, wie das ist mit Geschwistern. Die hat man sich nicht ausgesucht, die hat uns Gott geschenkt. Sozusagen als Gabe und als Herausforderung, als Gnade und als Lernprozess. Ich jedenfalls habe am meisten von meinen Geschwistern gelernt, gerade auch von ihrem Anderssein.

Wenn wir als traditionelle fränkische Protestanten, - Sie verstehen, was ich meine - die lebhaften langen Gottesdienste in Tanzania sehen, mit Tanz und Trillern und bunten Gewändern – das ist schon sehr anders.
Mike hat uns mit seinem Singen und Trommeln einen kleinen Geschmack davon gegeben.

Von dieser Lebendigkeit haben wir uns schon ein bisschen anstecken lassen: einige Lieder sind sogar ins Gesangbuch gewandert, wie das Lied vorhin „Komm zu uns, Heiliger Geist“ (565) oder mein Lieblings-Osterlied „Er ist erstanden, Halleluja“ (116).

Alle Chorleute wissen, dass man am besten singen kann, wenn man im Rhythmus die Hüften wiegt. Die Kinder übrigens wissen das auch. Meine Grundschulkinder schaffen es nicht, beim Singen stillzusitzen – wozu auch?

Eine andere Sache beeindruckt uns immer wieder: alle Briefe, alle Gespräche sind voll von Dank und Lob Gottes, von Segenswünschen, von einer ungebremsten Frömmigkeit. Ich sag‘s Ihnen, das ist zwar am Anfang ein bisschen befremdlich, aber es tut gut. Es öffnet.

Und da sind wir bei Rogate, Betet!

Wir sind nicht nur Partner und Partnerinnen, wir sind Geschwister, die gemeinsam beten, miteinander und füreinander.

Wir sind nicht nur auf uns gegenseitig ausgerichtet, sondern gemeinsam auf Gott. Das ist unsere gemeinsame Orientierung, unser Ziel, unser Weg, unsere Heimat. Das Gebet ist genauso wichtig wie die Spenden und der Austausch. Betet!

Die Jünger fragten Jesus, wie das geht, das Beten. Einen Teil seiner Antwort haben wir in der Evangelienlesung gehört.

Ein anderer Teil ist uns heute als Predigttext vorgelegt: das Vaterunser. Es hat sich zum zentralen Text der Christenheit entwickelt. Bei allen Unterschieden, die wir haben, das Vaterunser haben wir gemeinsam, bei jedem Gottesdienst wird es gesprochen, bei jeder Andacht.

Wir lesen im Matthäusevangelium im 6. Kapitel (V. 5-15)

Wenn ihr betet, sagt Jesus,  macht es nicht wie die Heuchler,
die sich zum Gebet gern in die Synagogen und an die Straßenecken stellen, um von den Leuten gesehen zu werden.
Ich sage euch: Sie haben ihren Lohn damit schon erhalten.

Wenn du beten willst, geh in dein Zimmer,
schließ die Tür, und dann bete zu deinem Vater,
der auch im Verborgenen gegenwärtig ist;
und dein Vater, der ins Verborgene sieht, wird dich belohnen.

Beim Beten sollt ihr nicht viel plappern wie die Scheinheiligen, die meinen, sie werden wegen ihres Wortschwalls erhört. Macht es nicht wie sie, denn euer Vater weiß, was ihr braucht, und zwar schon bevor ihr ihn darum bittet. Ihr sollt so beten:

Unser Vater im Himmel!
Dein Name werde geheiligt,
dein Reich komme,
dein Wille geschehe auf der Erde,
wie er im Himmel geschieht.
Gib uns heute unser tägliches Brot.
Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir denen vergeben haben, die an uns schuldig wurden.
Und lass uns nicht in Versuchung geraten,
sondern errette uns vor dem Bösen.

Wenn ihr den Menschen ihre Verfehlungen vergebt,
wird euer Vater im Himmel euch auch vergeben.
Wenn ihr aber den Menschen nicht vergebt, wird euer Vater im Himmel euch eure Verfehlungen auch nicht vergeben.

Gemeinsam richten wir uns auf Gott aus, er ist unsere Richtung, unser Weg unser Ziel. Das macht eine Gemeinschaft und eine Partnerschaft aus, es geht um die Partner und um die gemeinsame Aufgabe, das gemeinsame Thema. Uns verbindet der Glaube. Wir kommen zusammen, um gemeinsam Gottes Wort zu hören, zu singen, zu beten. Das verbindet uns.

Lohnend wäre, ausführlich die einzelnen Bitten des Vaterunser zu betrachten, das geht heute nicht. Nur ein paar Grundzüge.

Als erstes bestärkt es an die Vorstellung von Gott als Vater, in den Himmeln und überall, als gemeinsamer Vater, der uns das Leben geschenkt hat und uns zu Geschwistern verbindet.

Drei Bitten lang spricht das Vaterunser von Gott:
Geheiligt werde dein Name ist eher ein Verspechen, eine Huldigung.
Dein Reich komme, dein Wille geschehe auf der Erde, wie er auch im Himmel geschieht – um IHN geht es, um Gottes Menschen-freundlichkeit, um seine Gerechtigkeit, seine Güte, um seinen Frieden. An einer andren Stelle sagt Jesus: trachtet zuerst nach Gottes Reich und seiner Gerechtigkeit, dann wird euch alles zuteil, was ihr braucht.

So ist das Vaterunser gleichzeitig ein Bekenntnis, dass unser erstes Bestreben sein Reich, seine Ehre, seine Gerechtigkeit sein sollen.

Und dann kommen drei Themen, die uns Menschen zu schaffen machen. In aller Bescheidenheit bitten wir um das tägliche Brot. Brot, für heute, damit ist es gut. Und alles in der Wir-Form. Es geht um mich und gleichzeitig um uns alle. Was nützt es mir, wenn‘s mir gut geht und um mich herum wird gehungert? In der Nähe und in der Ferne. Frieden ist Wohlergehen und Gerechtigkeit für alle.

Was ist mit unserer Schuld? Gott vergibt uns, wenn wir vergeben haben. Befreiung, Entlastung für mich und für die anderen. Weil wir das für unser Leben brauchen. Hier haben wir wieder da Dreieck: Du-Ich-Gott, wir hängen zusammen. Ja, es mag schwer ein, zu vergeben, das ist es vielleicht auch für Gott, aber er sagt es uns zu. Übrigens seit unserer Taufe.

Und jetzt kommen wir zu der Bitte, die ich am schwierigsten finde. Führt Gott uns in Versuchung? Will er uns testen? Schaffen wir das nicht ganz alleine, uns in schwierige Situationen zu bringen und falsch zu handeln? Eigensüchtig, habgierig oder angstvoll oder träge oder überheblich oder neidisch? Neigungen, die zwar menschlich sind, die uns aber von uns selbst entfernen, von den anderen Menschen und von Gott. (Sie merken schon, hier geht es um die Todsünden, dazu gäbe es noch viel zu sagen.)

Der griechische Urtext ist da sehr klar, da ist vom Führen in Versuchung die Rede. Dennoch glaube ich nicht, dass Gott mir Fallen stellt, um mich zu prüfen oder so etwas. Ich möchte Gott bitten, dass er mich führt, gerade auch durch die Versuchung.

Sondern erlöse uns von dem Bösen, uns alle gemeinsam.
Selten war es mir so deutlich, wie sehr wir die Rettung von dem Bösen brauchen, das sich auf ganz unterschiedliche Weise zeigt,
vor allem auch in vielen Lügen.

Der Böse wird in der Bibel beschrieben als der, der verwirrt, Zweifel streut, den Blick verstellt, der uns dazu bringt, den eigenen schnellen Vorteil zu suchen. Vor allem ist es eine Kraft, die Vertrauen zerstört, Unsicherheit verbreitet und nichts von Gerechtigkeit hält.
Gott, erlöse uns von dem Bösen in uns und unter uns!

Wir beten das Vaterunser immer in Gemeinschaft mit der ganzen Christenheit und für uns alle gemeinsam. Wir verbinden uns mit ihnen allen. Das ist gut. Wir verbinden uns mit unsrer Partnergemeinde im Glauben und im Gebet. Das bewirkt etwas, bei uns selbst, in unsrer Gemeinde und bei den Partnerinnen und Partnern in Karatu. Gott wird auf die Gebete antworten.

Noch während die Schriften des Neuen Testamentes zusammengefasst wurden, haben weise Menschen am Ende des Vaterunsers einen Lobpreis angefügt.
Und da sind wir wieder bei unserem Vater in den Himmeln:
denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit, in Ewigkeit.
Amen.

 

Den ganzen Gottesdienst als Audiodatei können sie hier herunterladen.

Schlagwörter